10 Schwachstellen im Active Directory, die Firmen angreifbar machen

22. Januar 2026

Inhaltsverzeichnis

  • Zu weit gefasste Berechtigungen und Privilegien
  • Kein praktiziertes Tiering
  • Veraltete Kennwörter
  • Veraltete Betriebssysteme
  • Veraltete Protokolle
  • Fehlende Härtung bei UNC-Pfaden
  • Administrative Konten sind für jeden sichtbar
  • Keine Multi-Faktor-Authentifizierung
  • Kein Authentication Mechanism Assurance (AMA)
  • Updates, Monitoring und Line of sight

Active Directory (AD) ist das Rückgrat der Authentifizierung und der Autorisierung im lokalen Unternehmensnetzwerk. Über AD werden Benutzer-, Gruppen- und Computerkonten verwaltet und zur täglichen Nutzung autorisiert. 

Dieser zentrale Verzeichnisdienst ist der Dreh- und Angelpunkt für Identitäten jeglicher Sensitivität und aus diesem Grund ein sehr attraktives Ziel für Hacking-Angriffe. Eine Kompromittierung des AD ist der grösste Anzunehmende Unfall in der IT, zieht in der Regel Datenabfluss, verschlüsselte Systeme und einen IT-Totalausfall nach sich. 

AD ist daher gegen die Standardangriffsvektoren zu schützen, als da wären:

1. Zu weit gefasste Berechtigungen und Privilegien 

Die Historie des Produktes AD und der langjährige Einsatz im Unternehmen führt in der Regel dazu, dass Konten, insbesondere Dienstkonten, über die Jahre zu hohe Berechtigungen und Privilegien akkumuliert haben.

Wird diese Akkumulierung mit einer weiten Streuung gepaart, das gleiche Dienstkonto mit hohen Privilegien wird auf vielen Systemen verwendet, ist das sehr leichte Beute für einen Angreifer.

Das gewähren von minimal notwendigen Privilegien und Berechtigungen, der Einsatz von gMSA (group managed service accounts) und DMSA (delegated managed service account) sind adäquate

2. Kein praktiziertes Tiering 

Seit der Demonstration von dem „golden ticket“ für Active Directory im Jahr 2014 ist klar geworden, dass die Zugriffe im Unternehmen strikt nach Ebenen (Tiers) getrennt werden müssen.

Höchst privilegierte Benutzerkonten dürfen nur auf höchst privilegierten Computersystemen verwendet werden. Wird ein höchst privilegiertes Benutzerkonto auf einem niedrig privilegierten Computersystem verwendet, können Angreifer, im Falle einer Kompromittierung des Endgeräts, sehr rasch die Useridentität erbeuten.

Fehlendes oder falsch praktiziertes Tiering ist, nach zu hoch privilegierten Konten, meist genutzten Schwachstellen für AD durch einen Hacker.

3. Veraltete Kennwörter 

Dienst- und Computerkonten sollten, anders als bei Benutzerkonten, zyklisch wechselnde Kennwörter aufweisen. Die Demonstration des „golden ticket“ für AD vor 10 Jahren zeigte noch ein zweites besonderes Ticket: das „silver ticket“.

Bei einem „silver ticket“ macht sich der Angreifer statische Kennwörter von Dienst- und Computerkonten eines Unternehmens zu Nutze, um sich persistenten und in der Regel lateralen Zugriff zu sichern.

Daher müssen Computerkennwörter, insbesondere die der Domain Controller und die Kennwörter der Dienstkonten, hier speziell das Kerberos-Ticketkontos „krbtgt“, zyklisch gewechselt werden. 

4. Veraltete Betriebssysteme 

Der Betrieb von Betriebssystemen auf Basis von Microsoft in der Unternehmens-IT ist weit verbreitet. Ebenso weit verbreitet ist der Betrieb von Microsoft Betriebssystemen, welche schon lange aus dem Support gelaufen sind.

„Aus dem Support gelaufen“ bedeutet insbesondere keine Sicherheits-Updates mehr und damit leichte Beute für Angreifer. Wird eine neue Schwachstelle X im Protokoll Y entdeckt, wird diese Schwachstelle für die aktuellen Microsoft-Betriebssysteme, hoffentlich zeitnah, per Update geschlossen, jedoch nicht für die Betriebssysteme, welche aus dem Support gelaufen sind.

Zur Orientierung:
Windows XP / Server 2003 R2: Supportende war am 08.04.2014
Windows Vista: Supportende war am 11.04.2017
Windows 7 / Server 2008 / Server 2008 R2: Supportende war am 14.01.2020
Windows 8: Supportende war am 12.01.2016.
Windows 8.1: Supportende war am 10.01.2023
Server 2012 / Server 2012 R2: Supportende war am 10.10.2023
Windows 10: Supportende ist am 14.10.2025 (analog zum Supportende von Exchange 2016 und 2019!)

Die Liste der End-of-Life (EoL)-Termine ist hier einsehbar:
https://learn.microsoft.com/en-us/lifecycle/products/

Ähnliche Beiträge

  • Wie man Phishing erkennt…

    04. Dezember 2025 Phishing ist weltweit eine der grössten und am schnellsten wachsenden Cyber-Bedrohungen. Berichten von Cybersicherheitsunternehmen zufolge ist Phishing nach wie vor die häufigste Methode von Cyberkriminellen, um an sensible Daten oder Geld zu gelangen. Unternehmen wie auch Privatpersonen können durch Phishing-Angriffe erhebliche finanzielle Einbussen erleiden, sei es durch direkte finanzielle Verluste oder durch Folgekosten wie die Wiederherstellung von Systemen und Reputationsschäden. Wir zeigen…

  • Gimp: Power-Grafikprogramm – eine Anleitung

    27. Januar 2026 Gimp ist eine leistungsfähige Gratis-Bildbearbeitung für Windows, Linux und macOS. Unser Gimp Tutorial erklärt die ersten Schritte und gibt Tipps zur schnellen Bildverbesserung. Mit konkreten Problemlösungen! Gimp hat gerade ein kleines Update auf die Version 3.08 bekommen! User, die auf Ihrem System eine grosse Zahl von Fonts aktiviert haben, profitieren von einer Leistungssteigerung beim Laden der Schriftarten. Neu werden Bilder erst geladen,…

  • Wie Angreifer Mobilnetze kapern und User ausspionieren

    23. Dezember 2025 Die trügerische Sicherheit von Mobilnetzen (SMS-Attacken) Manch einer denkt, dass man er sicher fährt, wenn er unterwegs, zum Beispiel in Hotels, auf öffentliche Mobilnetze setzt, statt auf das bequeme WLAN, doch SMS-Attacken erzählen eine andere Geschichte. Viele wissen, dass gerade Gast-WLAN’s in Hotels etc. oft gehackt sind. Doch Hacker haben längst Wege gefunden, Mobilfunkmasten zu imitieren, so dass sich zum Beispiel ein…

  • USA und CH verstärken Zusammenarbeit

    03. Dezember 2025 Schwachstellenerkennung dank “A-Viper” Das Projekt “A-Viper” soll mithilfe von Binär- und Quellcode-Analyse automatisierte Schwachstellenerkennung vorantreiben. Die Schweiz und die USA starten mit “A-Viper” ein neues Forschungsprojekt zur automatisierten Identifikation und Priorisierung von Softwareschwachstellen in sicherheitskritischen Systemen. Das Vorhaben wird gemeinsam vom Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) und dem US Air Force Research Laboratory (AFRL) getragen. Es stützt sich auf das bestehende Rahmenabkommen zwischen…

  • Hacker versuchen, Firmen auszutricksen (mit ZIP-Rechnungen)

    19. März 2026 Vermehrt melden sich Unternehmen beim BACS, nachdem sie verdächtige Rechnungen per E‑Mail erhalten haben. Den Nachrichten ist jeweils eine ZIP-Datei angefügt, die wiederum eine HTML-Datei enthält. Auf den ersten Blick wirkt die darin dargestellte Rechnung unscheinbar: Keine Links, keine Auffälligkeiten, keinerlei Hinweise auf Schadsoftware. Doch dieser Eindruck täuscht. Der aktuelle Wochenrückblick zeigt eindrücklich, wie viel Aufwand die Angreifer betreiben, um ihre Angriffe zu…

  • Millionen von Geräten mit Malware identifiziert

    04. Dezember 2025 4,3 Millionen Geräte per Update mit Malware infiziert Hacker haben über mehrere Jahre hinweg zunächst harmlose Erweiterungen für Chrome und Edge veröffentlicht. Doch dann sind Updates mit Schadcode gekommen.Sicherheitsforscher von Koi haben Malware-Kampagnen einer Hackergruppe namens Shadypanda aufgedeckt, die über Jahre hinweg bei Chrome- und Edge-Nutzern mit mehreren Browsererweiterungen Vertrauen aufgebaut hat, um am Ende per Update eine Backdoor oder Spyware nachzurüsten….